Rant · Juni 2026

Ey, Simplyright,wir müssen mal reden.

Du googelst „XY kündigen" und denkst: Geil, jemand hilft mir. Pustekuchen. Du landest in einem fies durchdachten Funnel von drei Brüdern, die so tun als wären sie deine Anwälte und dir am Ende ein Abo andrehen. 34,99 € im Monat. Jeden Monat. Immer wieder.Heute zerlege ich das mal in Ruhe.

Was Simplyright dir wirklich verkauft

Auf der Startseite plakatiert sich Simplyright als digitaler Rechtsservice mit „KI-gestützter Fallanalyse" und „94 % Erfolgsquote". Klingt nach Verbraucherzentrale 2.0, mit Hoodie statt Krawatte. Sätze wie„Sofortige Hilfe statt langer Wartezeiten" und „Wir übernehmen den kompletten Prozess" machen genau das, was sie sollen: dich beruhigen. Du bist sauer, du willst raus, jemand fängt dich auf. Schöne Geschichte. Dumm nur: Hinter dem Lächeln steht eine Kasse. Und die klingelt monatlich.

Das Herz der Maschine ist ein irrer SEO-Teppich: 575 633 Anbieter in der Datenbank, jeder mit eigener „X kündigen"-Landingpage. Egal was du tippst, du landest bei denen. Und dort gibt's kein einzelnes Kündigungs­schreiben für nen Fünfer. Es gibt ein Abo: 34,99 € „Plus", 49,99 € „Premium" mit zwölf Monaten Mindestlaufzeit, „14 Tage gratis", danach läuft die Bank. Klingelt's? Genau dafür gibt's bei denen sogar eine Unterseite mit dem Namen Abofalle. Ironie-Award geht raus.

Juristisch? Sauber wie ein frischgewischter Showroom. Die Simplyright GmbH in Monheim am Rhein (HRB 22582) ist beim Bundesamt für Justiz als Inkasso­dienstleister registriert, hängt sich stolz das Siegel „Focus Money Höchste Weiterempfehlung 2025" an die Wand, redet von DSGVO. Top. Nur: Wirtschaftlich rechnet sich der ganze Spaß nur, wenn dein Abo länger läuft als der Anlass. Also länger als die eine Kündigung, wegen der du überhaupt gekommen bist. Und genau das ist der Trick.

Die Karahan Brüder

Hinter Simplyright steckt kein anonymer Tech-Bro im Hoodie, sondern eine Familienpackung: drei Karahan-Brüder, ein Nachname, mehrere Marken, mehrere Millionen. Im Impressum steht ganz artig nur Berkan Karahan — drumherum ein Geflecht, das sich anfühlt wie ein Familien-Whatsapp-Chat mit Excel-Tabelle.

Bruder
Erkan Karahan
Bruder
Can Alp Karahan
Bruder
Cem Batu Karahan

Das brisante Leben der Karahan Brüder

Mal ehrlich, Leute: Wenn drei Brüder gleichzeitig die größten Verbraucher­schützer Deutschlands spielen wollen und nebenbei in Karren rumcruisen, deren Monatsrate höher ist als die Miete ihrer Kund:innen sollte irgendwo in deinem Kopf eine kleine, rote Lampe angehen. Erkan, Can Alp und Cem Batu Karahan.

Merkt euch die Namen.

Vom Reihenhaus in NRW direkt in die VIP-Lounge der deutschen Legal-Tech-Szene. Self-made, jung, „so wie du und ich, nur erfolgreicher" Marke Insta-Reel mit dramatischer Musik. Hinter der Hochglanz-Fassade aus „digitalem Verbraucher­schutz" und „KI-gestütztem Recht" sitzen drei Typen, die ein extrem dichtes Netz aus Inkasso-, Kündigungs- und Beschwerde-Marken hochgezogen haben. Und nein, das ist kein süßer Zufall. Das ist Architektur. Mit Plan, mit Funnel, mit Conversion-Tracking.

Jede Marke leiert die gleiche Platte: schnelle Hilfe, niedrige Hürde, „kostenlose" Prüfung. Und jede Marke endet beim gleichen Trick: monatliches Abo oder fette Erfolgs­provision. Wer in die Impressen, Adressen und Geschäfts­führer­namen reinschaut, sieht plötzlich überall dieselben Gesichter Brüder Karahan plus engster Freundeskreis. Mal heißt's Simplyright, mal Inkassohilfe, mal Smartkündigen. Klingt nach Konkurrenz, ist aber die gleiche Küche, nur mit anderem Schild über der Tür. Same shit, neuer Aufkleber.

Erzählt werden Millionenumsätze, Lebens­stil zwischen Dubai und Düsseldorf, Firmen­konstrukte, die schneller umbenannt werden, als ich meinen Kaffee austrinke. Wer welche Anteile hält? Frag mich was Leichteres. Und genau darin liegt das System. Was sich permanent neu verkleidet, kannst du schwer fassen, schwer verklagen, schwer regulieren. Aber spielend leicht skalieren. Sehr clever. Sehr kotzig.

Drei Brüder, ein Spielfeld und am Ende zahlt immer derselbe: du.
Aus dem Bauch raus

Wohltäter oder Kriminelle?

Nach außen spielen die Brüder die ganz große Robin-Hood-Nummer. Sie helfen Mietern, sie helfen Reisenden, sie helfen Abo-Opfern. Auf ihren Landingpages und in Pressetexten fällt jedes zweite Wort „Gerechtigkeit", „Augenhöhe", „endlich einer auf eurer Seite". Texte glattgebügelt, Siegel drangeklatscht du würdest schwören, drei Sozialarbeiter mit Designer-Hoodie reden gerade über Ehrenamt.

Realität: Sie sammeln Leute in einer Notlage ein und ziehen ihnen heimlich, still und leise monatlich Geld vom Konto. Du wolltest eine Kündigung loswerden? Cool, hier hast du ein 34,99-€-Abo. Schlecht aufgepasst? Dann eben 49,99 € mit zwölf Monaten Mindestlaufzeit. Juristisch sauber konstruiert, moralisch der absolute Mittelfinger an alles, was die Marke draußen plakatiert.

Was sie sagen
  • „Wir helfen dir raus aus deinem Abo."
  • „Kostenlose Erstprüfung, kein Risiko."
  • „94 % Erfolgsquote, ehrlich!"
  • „Endlich einer auf deiner Seite."
Was sie tun
  • Sie drücken dir ein neues Abo rein.
  • „Kostenlos" = erstmal Kontodaten her, bitte.
  • Bezugs­größe? Niemand weiß es. Witzige Statistik.
  • Klar, auf deiner Seite. Und auf deinem Konto.

Es ist die uralte Abzock-Masche, nur frisch gebügelt und in Legal-Tech-Folie verpackt. Du suchst Hilfe gegen eine Abofalle? Cool, ich bau dir gleich die nächste. Ganz nüchtern gesagt: Die Karahans haben das Problem, das sie angeblich lösen, zu ihrem Geschäftsmodell gemacht. Ohne Abofallen kein Markt für Simplyright. Ohne genervte Kund:innen kein Premium-Tarif. Ohne ihren irren SEO-Teppich aus 575 633 Anbieter-Seiten kein massiver Zustrom. Das ist kein Bug, das ist das Feature.

Wohltäter? Mein Gott, bitte nicht. Kriminelle? Juristisch (noch) nicht das deutsche Verbraucher­schutzrecht hinkt diesen Modellen seit Jahren hinterher. Aber: Die Luft wird dünner. Am 19. Mai 2026 hat die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg eine Klage gegen die Simplyright GmbH eingereicht. Vorwurf in mehreren Punkten: Simplyright soll „Mahngebühren" von 7 € kassieren, die so nie entstanden und auch nicht individuell vereinbart waren. Außerdem geht es um irreführende Werbung mit dem Versprechen, sich „von der ersten Analyse bis zur vollständigen Durchsetzung" zu kümmern, um Kundenstimmen, bei denen unklar bleibt, ob sie überhaupt von echten Kund:innen stammen, und um den fehlenden Kündigungs­button für das eigene Abo. Genau die Pflicht, mit der Simplyright bei anderen Anbietern Geld verdient.

Heißt im Klartext: Was hier seit Jahren als „Verbraucher­schutz" verkauft wird, landet selber vor Gericht weil es genau die Tricks anwendet, gegen die es angeblich kämpft. Wäre nicht das erste Mal, dass aus „clever konstruiert" am Ende „rechtswidrig" wird. Popcorn ist gekauft.

Bis dahin: Wenn du wirklich nur eine Kündigung loswerden willst, brauchst du keine drei Brüder mit Marketing-Etat und schlechtem Karma. Musterbrief von der Verbraucherzentrale, Einschreiben, fünf Minuten deines Lebens fertig. Kostet null, bindet nix und finanziert auch keinen Sportwagen, in dem dich später jemand an der Ampel anhupt.

Mein Tipp an dich

Wer dir das Problem verkauft, ist selten der Richtige, um es zu lösen. Punkt.

Quellen: Eigene Recherche auf simplyright.de (Stand Juni 2026), Impressum der Simplyright GmbH, Handelsregister Amtsgericht Neuss (HRB 22582), öffentlich zugängliche Unterseiten /abofalle und /auth.

Dieser Beitrag stellt eine journalistische Einordnung dar (Art. 5 GG). Personen­bezogene Behauptungen wurden auf Belegbarkeit geprüft; nicht eindeutig belegte Angaben sind als solche gekennzeichnet.

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